Best Practice-Beispiele

Ergänzende Anmerkung (03.11.2016): Die Grundlagenarbeit wurde mit Ende März 2016 abgeschlossen.
Der folgende Text stammt aus der Zeit des laufenden Projektes.

 

Mag.a Androulla Höller

Androulla Höller ©Wien Work / Bundessache

"Mein Weg geht diesen komplizierten Gang, die Ausbildung sozusagen von hinten herum“.

Ziel erreicht

Androulla liebt es, mit Kindern zu arbeiten. Sie hat einen äußerst kreativen und Kind-nahen Zugang. Dies erkennt man an den von ihr angebotenen Spiel- und Lerninhalten, die meist einen starken Bezug zum Leben aufweisen. Die Pädagogin weiß, was Kinder wollen und interessiert. Demnach entwickelte sich bei ihr ein eigenes Verständnis von Schule und Unterricht. Lernen soll Kindern Spaß und Freude bereiten, sozialer Umgang gefördert werden.

Ihre SchülerInnen gewöhnen sich von Beginn an daran, sich vor ihre Lehrerin hinzustellen, um mit ihr in Interaktion zu treten. Dadurch wird eine reibungslose Kommunikation gewährleistet. Der Blick zurück in die Vergangenheit der Pädagogin zeigt, warum das für sie und ihr Gegenüber so wichtig ist.

Am Anfang des Lebens

Androulla erlebte ihre Kindheit wie alle anderen Kinder – und schließlich doch ganz anders. Der Beginn dafür fand in den ersten Monaten ihres Lebens statt. Aufgrund Sauerstoffmangels im Brutkasten verliert sie ihre Hörfähigkeit auf beiden Ohren um 98 Prozent. 2,5 Jahre lang wusste niemand davon. Ihre Mutter fragte sich, warum ihr Kind noch immer nicht „brabbelte“. Nach einer ärztlichen Untersuchung wurde Schwerhörigkeit diagnostiziert: Androulla erhielt Hörgeräte.

Kindheit und Annehmen der eigenen Situation

Androulla hatte aufgrund des Tragens ihrer Hörgeräte das Gefühl, anders zu sein. Die Hörhilfe bestand aus einem „Kästchen“, das etwa 1-1,5 cm breit und 7-8 cm hoch war. Aus dem Gerät ragte auf je einer Seite ein Kabel heraus, das zu jedem Ohr reichte. Ihre Mutter hatte einen Gürtel und zwei Träger in bunten Farben genäht. Damit befestigte sie das Hörgerät an Bauch und Schultern. Die Hörhilfe war - im Gegensatz zu jenen der Gegenwart - sehr gut wahrnehmbar und Androulla erhielt unfreiwillig ein Erkennungsmerkmal. Sie war für alle das Mädchen, das schlecht hört. Dennoch hat die Pädagogin einen positiven Blick auf ihre Kindheit, die sich in mancher Hinsicht nicht so sehr von jenen anderer Kinder unterschied. Eines fiel ihr aber im Vergleich dennoch auf: Sie musste sich stets mehr anstrengen als die anderen Kinder, um in der Schule erfolgreich zu sein. Ausgrenzungserfahrungen erlebte sie kaum, was ihr zu einem gesunden Selbstbewusstsein verhalf. Ihre Eltern vermittelten ihr stets, dass die Hörbehinderung ein Teil von ihr ist. Sie unterstützten sie emotional dabei, ihre Behinderung annehmen zu können. Androulla erlebte somit ihr „Anderssein“ nicht tatsächlich als Einschränkung. Die Pädagogin erzählte, dass sie ihre Hörbehinderung manchmal zu ihrem Vorteil nutzte oder Situationen mit Humor begegnete. Beispielsweise wollte sie ihre Hörgeräte an Sonntagen nicht tragen – ganz so, als wäre an diesem Tag „Ruhepause“. Ihre Eltern neckte sie damit, erzieherische Anweisungen - im wahrsten Sinn des Wortes - zu überhören.

Kindergarten

„Die Kindergartenpsychologin sagte zu meiner Mutter: Ihre Tochter wird nie reden können“.

Androullas Eltern kam es nie in den Sinn, sie in einer Sonderschule anzumelden. Dies zeichnete sich bereits im Kindergartenalter ab. Leitung und Psychologin eines Kindergartens wollten Androulla in eine Gruppe mit hörbehinderten Kindern aufnehmen. Die Pädagogin erzählte, welche Eindrücke sie bekam, als sie das erste Mal dieser Gruppe beitrat: Sie nahm Kinder wahr, die für sie unverständliche Laute von sich gaben und mit ihren Armen Bewegungen ausführten. Androullas Mutter erschrak und bat unter Tränen darum, dass ihre Tochter in eine Gruppe mit hörenden Kindern kommen dürfe. Die Kindergartenpsychologin habe daraufhin zu Androullas Mutter gesagt: „Ihre Tochter wird nie reden können“. Androullas Mutter entgegnete: „Doch, das wird sie“, woraufhin die Kindergartenpsychologin auf ihr Wissen verwies, das sie während des Studiums erlangte. „Ich bin aber die Mutter“, bekam sie dann von Androullas Mutter zu hören. Dem Wunsch, in eine „hörende Kindergartengruppe“ zu kommen, wurde letztlich nachgegeben. Es habe ihr gut getan, dass sie unter „hörenden Kindern“ war, erzählte sie. Gegen Ende der Kindergartenlaufbahn bekamen die Kinder Vorschularbeitsblätter. Androulla absolvierte diese Vorbereitung auf die Schule bereits ein Jahr früher als vorgesehen – mit Erfolg, was die KindergartenpädagogInnen überraschte. Androulla durfte das letzte Kindergartenjahr überspringen. Es stand die Befürchtung im Raum, dass ihr in diesem vierten Jahr langweilig wird. Sie hätte die Möglichkeit gehabt, früher in die Schule einzutreten. Da Androulla noch nicht schulpflichtig war, besuchte sie daraufhin die Vorschule.

Schulzeit

Vor Schuleintritt sprach ihre Mutter in einer Schule bei einer Lehrerin vor, die sehr engagiert war. Diese stand ihrer Tochter affirmativ gegenüber. Ohne dem Zutun dieser Lehrerin wäre Androulla womöglich nicht an der Schule aufgenommen worden. Sie besuchte vier Jahre lang die Volksschule und hatte in allen Fächern stets Bestnoten – mit einer Ausnahme: In der vierten Klasse erhielt sie in Deutsch ein „Gut“ aufgrund von Aussprache und Betonung.

Zu Beginn der Schulzeit mochte Androulla Buben nicht besonders, da sie ihr zu laut waren. Am liebsten wäre sie in eine Schule gegangen, in der nur Mädchen sind. Aufgrund der guten Noten entschieden sich ihre Eltern dazu, sie an einem Bundesrealgymnasium anzumelden. Androulla kam prompt in eine Klasse, die als (letzter) reiner Mädchenjahrgang geführt wurde. Nach der vierten Klasse Unterstufe war sie gezwungen, sich eine andere Schule zu suchen. Aufgrund der geringen SchülerInnenzahlen musste der naturwissenschaftliche Zweig der Schule beendet werden.

Die Oberstufe absolvierte sie an einem anderen Gymnasium. Das Lernen stellte oftmals eine große Herausforderung dar. An die Zeit in der achten Klasse kann sie sich noch gut erinnern, da sie damit auch Negatives verbindet. Sie fühlte sich nicht gut integriert. Die meisten SchülerInnen lernten für sich selbst und ließen sie „links liegen“. Aus heutiger Sicht war sie damals „frühreif“. Einer Clique gehörte sie nie an, hätte es sich aber sehr gewünscht. SchulkollegInnen wandten sich zwar oftmals mit ihren Sorgen an sie, zu Feiern o.ä. wurde sie aber dennoch nicht eingeladen. Fünf Tage vor ihrem Maturatag hatte sie einen Motorradunfall. Zur Matura trat sie aber dennoch an - und bestand.

„In der Oberstufe musste ich mich schon sehr anstrengen – auch für die schlechten Noten“.

Im Großen und Ganzen fühlte sie sich in der Schulzeit akzeptiert. Mit zwei ehemaligen Klassenkolleginnen steht sie seit über 30 Jahren in Kontakt. Eine weitere Freundin kam in der der Oberstufenzeit zu ihrem Freundeskreis hinzu, die sie Jahre später als Trauzeugin für ihre Hochzeit wählte.

Während der Schulzeit war Androulla oft „das Mädchen, das schlecht hört“. Die Hörbehinderung per se wurde kaum zum Thema gemacht – vermutlich deshalb nicht, da Androulla stets sehr selbstbewusst aufgetreten wäre. Die Meinung anderer Personen über ihre Hörbehinderung kümmerte sie wenig.

Über das eigene Hörvermögen

Die Pädagogin beschreibt ihr Hörvermögen folgendermaßen: „Ich hab wahrscheinlich das Glück, dass im Audiogramm - dort, wo die Sprache, die Stimmen, sind - die Werte am besten sind. Im Hochtonbereich hör ich gar nichts und im Tieftonbereich spür ich mehr.“ Die Umstellung von analogen zu digitalen Hörgeräten bereiteten ihr Schwierigkeiten, da letztere so programmiert sind, Geräusche leiser und Stimmen lauter zu machen. Das Gehirn reagiert sehr sensibel und filtert selbst. Wenn Androulla Musik hört, kann sie die Aufmerksamkeit nicht selbst dahin lenken. Aufgrund der stetigen technischen Weiterentwicklung überholen sich ihre Hörgeräte in fünf bis sechs Jahresabständen. Ihr Gehirn muss sich stets neu auf akustische Reize einstellen.

„Ich hab wahrscheinlich das Glück, dass im Audiogramm - dort, wo die Sprache, die Stimmen, sind - die Werte am besten sind. Im Hochtonbereich hör ich gar nichts und im Tieftonbereich spür ich mehr.“

Die große Enttäuschung am Weg zum Beruf als Lehrerin

Androulla hatte schon immer den Wunsch, Lehrerin zu werden. In ihrer Jugend existierte der Gedanke des Scheiterns nicht. Ernüchterung trat nach Abschluss der Matura ein - bei dem Versuch, an einer Pädagogischen Akademie aufgenommen zu werden. Der dort ansässige Direktor machte ihr unmissverständlich am Telefon klar, dass sie aufgrund ihrer Hörbehinderung keine Chance habe – mit dem Nachsatz: „Wer will schon eine hörbehinderte Lehrerin haben?“ Die Enttäuschung saß tief und Androulla kam vom Gedanken ab, Lehrerin zu werden. Sie benötigte Abstand und begab sich nach Zypern (zu Verwandten). Dort absolvierte sie die Ausbildung zur Rezeptionistin und arbeitete daraufhin in Hotels. Sehr bald wurde ihr klar, dass ihr diese Arbeit keine Herzensangelegenheit ist.

„Wer will schon eine hörbehinderte Lehrerin haben?“

Zurück in Österreich: Erschwerte und schöne Studienzeit an der Universität Wien

Androulla kehrte nach Österreich zurück und begann an der Universität Wien Pädagogik (mit Schwerpunkt Sonder- und Heilpädagogik) zu studieren. Der Vorteil war, dass es kein Aufnahmeprozedere gab. Das Studium machte ihr großen Spaß, auch wenn es nicht immer einfach gewesen wäre, den UniversitätsprofessorInnen bei ihren Vorträgen zu folgen. Das Lippenlesen stellte sich als schwierig heraus, wenn sich Personen beim Sprechen wegdrehten. Zudem war die Akustik in den Hörsälen oft nicht besonders gut.

Androulla schrieb mit, ergänzte ihre Mitschrift mit geborgten Protokollen anderer Studierender und schrieb alles penibel zusammen. Die dadurch entstandenen, äußerst umfangreichen Zusammenfassungen wurden gerne von anderen Studierenden geliehen.

Aufgrund ihrer Hörbehinderung reagiert Androulla stark auf optische Reize. Das Zusammenfassen von Texten war ihre Art und Weise, im Studium optimal voran zu kommen.

Eintauchen in die Welt gehörloser Personen

Androulla absolvierte einen Kurs in Gebärdensprache an der Volkshochschule und war eine Zeit lang Teil eines Gehörlosenvereins. Da die Kultur der gehörlosen Personen mit ihren Sozialisationserfahrungen in Widerspruch stand, fühlte sie sich nicht angenommen und blieb nicht lange dort. Ihre Mutter erzog sie dahingehend, sich selbst darum zu kümmern, ihren GesprächsteilnehmerInnen die Kommunikation zu erleichtern. Dies wäre dort nicht der Fall gewesen. In der „Welt der Gehörlosen“ hatte sie oft das Gefühl, nicht dazu zu gehören, wenn sie nicht ausschließlich gebärdete. Die Erwartungshaltung an die „hörende Welt“ wäre hier, sich in jene der nichthörenden Personen hineinzuversetzen und durch Erlernen der Gebärdensprache in die ihre einzutauchen. In einem Symposium habe Androulla die vorherrschende Meinung gehört, dass hörbehinderte Kinder ausschließlich Gebärden- und Schriftsprache erlernen sollen, Lautsprache hingegen nicht. Die Pädagogin vertritt eine konträre Meinung: „Die Stimmbänder sind ja meistens nicht kaputt. Ich habe gelernt, meine Stimme zu modifizieren, wenn ich die Hörgeräte rausnehme, Man kann auch ohne zu hören die Stimmbänder kontrollieren.“ Androulla unterstreicht, dass für hörbehinderte Kinder alle drei Sprachen wichtig sind: „Je mehr Stimme dabei ist, desto eher könne auch eine Kommunikation mit der ‚hörenden Welt‘ stattfinden“, so die Pädagogin.

Praktika als Eintrittskarte zum LehrerInnenberuf

Während ihrer Studienzeit kümmerte sich Androulla im Zuge von zu absolvierenden Praktika um psychisch erkrankte Menschen in Tageszentren, arbeitete unterstützend in basalen Förderklassen sowie am Gehörloseninstitut. Aus Interesse an Psychologie, inskribierte sie auch in diesem Fach und absolvierte den ersten Studienabschnitt. Die vielen Praktika ermöglichten ihr, über ihre Situation nachzudenken – auch um herauszufinden, was sie weiterhin mit ihrem Leben anstellen möchte. Ihr wurde nahe gelegt, mit hörbehinderten Personen (weiter) zu arbeiten. Ihr Hauptinteresse galt zu diesem Zeitpunkt aber der Psychiatrie.

Vieles wäre in dieser Zeit nicht einfach gewesen. Im tagesstrukturierenden Bereich, in dem sie sechs Jahre lang blieb, habe sie viel gelernt. Androulla betreute über 15 Jahre hinweg einen autistischen jungen Mann. Schließlich wurde sie von der Autistenhilfe angerufen und angefragt, ob sie in einer Integrationsklasse als Integrationsunterstützung mit einem autistischen Mädchen arbeiten möchte. Diese Option bedeutete ihr sehr viel. Erstmals durfte sie als Lehrerin arbeiten. In der Integrationsklasse befanden sich 16 Kinder, vier davon wurden integrativ beschult. Durch das vorherrschende Teamteaching-Modell arbeitete sie mit einer Lehrerin und einer Sonderschullehrerin zusammen. Androulla wurde als Assistenz für das autistische Mädchen eingesetzt. Das Unterrichten und die Zusammenarbeit mit den SonderschullehrerInnen habe sie am meisten erfüllt.

Lehrbefugnis an einer Privatschule als Klassenlehrerin

Nach erfolgreichem Abschluss ihres Pädagogikstudiums – in rekordverdächtigen 4 Jahren - erhielt sie einen Anruf. Eine Freundin einer Bekannten gründete eine (private) Montessori-Schule und war auf der Suche nach Lehrpersonal. Für Androulla stellte das den Beginn ihrer schulischen Laufbahn als Klassenlehrerin dar. Obwohl sie kein Diplom einer Pädagogischen Akademie hatte, erteilte ihr der damalige Bezirksschulinspektor aus Mödling die Lehrbefugnis. Eine gängige Diskussion entfachte dennoch immer dann, wenn sich die Frage stellte, ob Androulla die Vertretung für ihre Chefin sein durfte. Daraufhin erkundigte sie sich bei zwei Personalvertretungen, die beide dieselbe Rückmeldung gaben: Die Chance auf Aufnahme an einer Pädagogischen Akademie besteht von Gesetzes wegen her nicht, da sie die erforderliche „Sprech- und Stimmleistung“ (betrifft auch das Hören) nicht erfüllen könne. Über diese Rückmeldungen war die Pädagogin sehr verärgert:

„An diesen beiden Tagen habe ich Gott und die Welt gehasst“.

Der positive Nachsatz der Personalvertretung lautete aber, dass sie ohnehin unterrichten dürfe - und dies mit Erfolg. Der Lehrtätigkeit ging sie zwölf Jahre lang mit großem Engagement nach. In den drei darauffolgenden Jahren betätigte sie sich zudem als Organisatorin für die Psychosoziale Akademie des Psychosozialen Dienstes Wien. Zwei Jahre später schloss sie die Ausbildung zur phronetischen Kunsttherapeutin an der Wiener Schule für Kunsttherapie ab, darauffolgend die Ausbildung zur Malortdienenden nach Arno Stern[1].

Aufsichtspflicht erfüllt

Für Androulla war die Aufsichtspflicht nie Thema, da ihre Anstellung vom Bezirksschulrat genehmigt wurde. Zu Beginn führte die Schulleitung die Montessori-Schule als Firma. Später – als daraus ein Verein wurde und abermals Ansuchen gestellt wurden - wurde Androulla erneut als Lehrerin genehmigt.

All‘ die Jahre als Klassenlehrerin organisierte und leitete sie Sportwochen, ohne jemals Probleme aufgrund der Aufsichtspflicht bekommen zu haben.

Unterrichten von Kindern mit und ohne Behinderung

Anfangs unterrichtete Androulla ein autistisches Mädchen. Im Zweiergespräch kam ihre Hörbehinderung nicht zu tragen. Der Unterricht fand in der Integrationsklasse statt. Sie saß mit dem autistischen Mädchen im hinteren Bereich der Klasse und unterrichtete sie, während die anderen Schüler vorne einen anderen Lernstoff durchgingen. Die Zusammenarbeit mit der Schülerin und den anderen LehrerInnen empfand sie als gut. Das Unterrichten bereitete ihr viel Freude. Sie entwickelte Lernmaterialien für das autistische Mädchen, auf die sich die Schülerin stets neu einstellen konnte. Die Hörbehinderung war nie Thema – weder auf Sport-, noch auf Landschulwoche.

Vor und in der Kommunikation mit Kindern spielt für Androulla deren Beobachtung eine wesentliche Rolle. Oft erkenne sie schon im Vorhinein, was die SchülerInnen vor hätten. Die Pädagogin bezeichnet dies als siebten Sinn. Da sie sich auf diese Fähigkeit stets verlassen konnte, ging sie mit ihren SchülerInnen Schwimmen, ohne dabei Hörgeräte zu tragen. Androulla kompensiert den Hörverlust durch Lippenlesen und Beobachtung. Meist könne sie – selbst wenn jemand weit entfernt ist - aufgrund der Lippenbewegungen feststellen, was gesprochen wurde. Androulla ist es bei einem Lärmpegel möglich zu unterscheiden, ob er aufgrund von Aktivität (Spielen, Reden) da ist, oder ob eine Eskalation bevor steht.

Die Pädagogin zieht in der Zusammenarbeit mit den Kindern folgendes Resümee:

„An und für sich haben mich die Kinder immer sehr ernst genommen […]. Wenn es mit dem Hören oder mit dem Verständnis Probleme gab, habe ich das immer selbst angesprochen. Mit dieser direkten Art bin ich immer gut gefahren.“

Didaktische Vorgehensweisen für ein gutes Zusammenarbeiten

Bei der Interaktion mit Androulla, ist es wichtig, dass sich Kinder vor sie hinstellen, damit die Pädagogin von ihren Lippen ablesen kann. SchülerInnen werden von ihr zudem geschult, ihre Hand zu heben, bevor sie Wortmeldungen tätigen. Während andere Montessori-PädagogInnen das Handheben ablehnen, wurde es für Androulla eine wichtige Unterstützung im alltäglichen Unterrichten. Durch Handheben der Kinder kann sie schneller feststellen, wer eine Wortmeldung einbringen möchte oder dies soeben tut. Somit können mehrere Wortmeldungen unterschiedlicher Kinder hintereinander erfolgen – und jede/r kommt an die Reihe. An dieses Vorgehen würden sich die Kinder allmählich gewöhnen. Ebenso ist wichtig, die Lehrerin beim Reden anzusehen.

Wenn die Kinder etwas von Androulla brauchen, dürfen sie sie sanft anstupsen. Befindet sie sich bereits im Gespräch, bittet sie um einen Moment Geduld oder wendet sich gleich dem Kind zu. Das Anstupsen habe eine sehr ruhige Art hineingebracht. Letztlich komme es aber auf die Kinder an. Manche bräuchten viel strengere Regeln als andere.

Da Androulla ihre Aussprache für mangelhaft hält (v.a. bei Zischlauten), greift sie zu einem einfachen didaktischen Hilfsmittel:

„Ich habe es einfach umgedreht und mich von den Kindern ausbessern lassen. Dann weiß ich, ob es die Kinder verstanden haben. Ich sehe dann auch beim Schreiben, ob sie es verstanden haben.“

Behinderung als Teil von Normalität

Androulla unterrichtete als Klassenlehrerin hochbegabte, durchschnittlich und unterdurchschnittlich begabte Kinder. Unter ihnen waren ein hörbehindertes Kind sowie ein Mädchen und ein Bub mit Behinderung. Sensibilisierungsarbeit und Erklärungen in Hinblick auf die eigene Behinderung leistete Androulla stets in den ersten Unterrichtseinheiten eines Schuljahres. Sie erzählt den SchülerInnen, was es für sie bedeutet, hörbehindert zu sein:

„Ich sage den Kindern in der ersten Stunde, dass ich hörbehindert bin, zeige meine Hörgeräte und erkläre ihnen das, drehe mich um, sodass ich gar nichts höre. Dann schreien sie immer ganz laut.“

Androulla erzählt, wie wichtig es ist, sich bei Missverständnissen, Streit u.ä. zu entschuldigen. Dies macht sie, wenn sie etwas nicht oder falsch gehört hat. Derlei Haltung helfe und stoße auf weite Akzeptanz. Die SchülerInnen wüssten dadurch, dass sie von Androulla ernst genommen werden. Sie wiederum erhofft sich, dass Kinder davon sozial lernen. Bei Besprechungen und Darbietungen begegnete sie Kindern „auf Augenhöhe“: Sie sitzt mit ihnen im Kreis. Dabei passiert es immer wieder einmal, dass sie etwas akustisch nicht versteht.

Erfahrungen mit Vorgesetzten, KollegInnen und Eltern

Die Direktorin jener Schule, an der sie angestellt war, kam ihr stets unterstützend entgegen. Es gab ein Übereinkommen, dass Androulla weder Musik noch Englisch unterrichtet. Manche Eltern, die Androulla beim Schnuppertag kennen lernten, hatten Sorge, dass ihre Kinder eine schlechte Aussprache erlernen könnten und wollten nicht, dass sie von Androulla unterrichtet werden.

„Die Schulleitung stand hinter mir und meinte: ‚Wer dich nicht akzeptiert, braucht gar nicht zu kommen. Wer dich akzeptiert, passt gut zu uns in die Schule‘“.

Für diese Haltung war Androulla sehr dankbar. Mit dem Großteil der Eltern sowie mit ihren KollegInnen kam sie stets gut aus.

Der große Traum von der eigenen Schule

Ihren großen Traum von der „eigenen Schule“ verwirklichte sie im Jahr 2014. Sie gründete gemeinsam mit Diplompädagogin Obrovac-Melber die Emma Plank Schule am Gießhübl, an der sie vorwiegend die Leitungsfunktion inne hat. Die Elementarstufe wird nach der Montessori-Pädagogik geführt, die anderen Klassen nach dem Jena-Plan. Es handelt sich um eine reformpädagogische Schule für fünf- bis 15-Jährige.

Lehrberuf als Empfehlung für andere Menschen mit Behinderungen?

Androulla meinte hierzu:

„Ja. Es ist aber nicht die Frage behindert oder nicht, sondern die persönliche Eignung“.

Im LehrerInnenberuf laufe alles über die Beziehungsebene zu den SchülerInnen. Diese müsse „mitgebracht werden“.

Mit 98%igem Hörverlust stets Teil der „gesellschaftlichen Mitte“

Androullas Sozialisation war sehr stark davon geprägt, auf die Herausforderungen des eigenen Lebens zuzugehen, die eigene Situation anzunehmen und die Hörbehinderung als Teil des eigenen Seins anzuerkennen. Am Weg zum LehrerInnenberuf passte sie sich nicht an die „Welt der Hörenden“ an, sondern blickte auch in jene gehörloser Menschen. Sie war offen dafür, unterschiedliche Erfahrungen zu machen, um letztlich zu erfahren, was sie auf ihrem persönlichen Weg nach vorne bringt.

Ihre Eltern und das unterstützende Umfeld (Schule/LehrerInnen) trugen wesentlich dazu bei, dass die Pädagogin dort steht, wo sie heute angelangt ist. Sie entwickelte selbständig Fähigkeiten, die ihre Teilhabe am Gesellschaftsleben sichern. Dies gelang durch Reflexion über die eigene Situation, die Fähigkeit, von den Lippen ihrer GesprächsteilnehmerInnen abzulesen und auf andere Personen zugehen zu können. Androulla versteht es, Nähe zu schaffen. Wichtigste technische Unterstützung im Alltag ist das Hörgerät, das ihr ermöglicht, Telefonate zu führen.

 

[1] „Die dienende Einstellung unterscheidet sich grundsätzlich von einer belehrenden Beziehung zum Kind: Der Dienende im Malort vermittelt kein Wissen. Aber die gründliche Kenntnis des Formulationsablaufes bestimmt seine Haltung: […]“ (Arno Stern o.J., o.S.). siehe http://www.arnostern.com/de/dienende_rolle.htm Online-Dokument. Download: 15.2. 2016, 13:34.

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Dipl. Päd.in Claudia Rauch, MA

Claudia Rauch ©Wien Work / Bundessache

„Einer meiner Schüler wurde gefragt: Was ist das Besondere an deiner Lehrerin? Er antwortete: Des blaue Bandl, wos sie seit neichasten in de Hoar trogt.“

Berufung, Durchhaltevermögen und Fleiß

Seit Oktober 2014 lehrt und berät Claudia Studierende an der PH Niederösterreich. In ihrer Beratungsfunktion unterstützt und begleitet sie Studierende mit Behinderungen durch ihr Studium. Fragen zu abweichenden Prüfungsmodalitäten und (praktische/rechtliche) Rahmenbedingungen vor und während des Studiums sowie Detailfragen, die in Zusammenhang mit Unterricht und Behinderung stehen, werden besprochen und geklärt. Im Zuge der Ausgestaltung barrierefreier Aufnahmeverfahren an Pädagogischen Hochschulen in Österreich wird gerne auf ihr Expertenwissen zurückgegriffen. Über Claudia gibt es sehr viel zu erzählen – so viel, dass es schwer fällt, hier alles wieder zu geben. Vor ihrer Karriere an Pädagogischen Hochschulen arbeitete sie zwei Jahrzehnte lang als Lehrerin – etwa zwei Drittel der Zeit in der Volksschule. 2002 bis 2005 war sie neben ihre Lehrtätigkeit freiberuflich in einer Praxisgemeinschaft als Kinesiologin tätig. Danach eröffnete sie ihr selbst gegründetes Institut I.G.E.L. und bot neben ihrem Kernberuf Kinesiologie, Diversity-Management, Sensibilisierungsveranstaltungen, Coachings, Mediation, Trainings und Supervision an. Der Weg zur Ausübung des LehrerInnenberufs war alles andere als leicht. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt warum…

Die Folgen der Nebenwirkung eines Durchfallmedikaments

Im Alter von vier Jahren macht Claudia eine Durchfallerkrankung zu schaffen. Die Nebenwirkungen des verabreichten Medikaments hatten gravierende Folgen. Claudia verlor innerhalb weniger Wochen beinahe die gesamte Sehfähigkeit. Im Alter von 20 Jahren –im dritten Studienjahr an der Pädagogischen Akademie des Bundes Wien – erblindete sie vollends.

Der Weg zum Traumberuf

Claudia wollte Säuglingsschwester, Kindergärtnerin oder Volksschullehrerin werden. Letztlich entschied sie sich den Beruf als Lehrerin einzuschlagen und absolvierte ihre Lehramtsprüfung im Jahr 1991. In ihrer Studienzeit an der Pädagogischen Akademie war sie zwar ordentliche Studierende, ihre Praxis, die sie für das Lehramtsstudium (Volksschullehrerin) benötigte, konnte sie sich damals aber bloß verbal beurteilen lassen. In den Kreativfächern Turnen und bildnerische Erziehung wurden Alternativen zu Aufgabenstellungen gefunden.

Blinde Lehrerin im Schulwesen: die Anstellung - ein Spießrutenlauf?

Nach Studienabschluss verbrachte Claudia ein Jahr in Würzburg. Sie studierte und arbeitete dort als Praktikantin an der Blindeninstitutsstiftung. Dort wurde sie in der Integrationsbetreuung eines blinden Schülers, in der Frühförderung sowie in der Tagesheimstätte für mehrfachbehinderte Kinder eingesetzt. Danach nahm sie eine Anstellung als Klassenlehrerin für schwer- und mehrfachbehinderte Kinder am Bundes-Blindeninstitut Wien an.

Die Rückkehr nach einer Augen-OP in den Lehrerinnenberuf verlief holprig, da es auf Seiten des Stadtschulrats unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Einsatzmöglichkeiten von Claudia gab. Es gelang ihr, an einer Sehbehindertenschule als Begleitlehrerin zu arbeiten – sogar an jener, die sie als Kind selbst besuchte, wodurch ihre damaligen LehrerInnen zu KollegInnen wurden. Ab dem dritten Dienstjahr absolvierte sie auch zusätzlich die Ausbildung zur Blinden- und Sehbehindertenlehrerin.

Von 1994 bis 1996 war Claudia als Behindertenbeauftragte der Universität Wien tätig. In dieser Funktion trug sie maßgeblich zur Gründung von „UniAbilty“ - einer Arbeitsgemeinschaft zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen an Österreichs Universitäten und Hochschulen - bei.

Da sich der Stadtschulrat nach Auslaufen des befristeten Lehrvertrags nicht wegen eines neuen Dienstvertrags meldete, traf es sich gut, dass zu dieser Zeit in Oberösterreich nach BlindenlehrerInnen für blinde SchülerInnen gesucht wurde. Claudia war stark nachgefragt. Ihr wurde sogar Hilfe bei der Wohnungssuche angeboten. Man wollte sie als Klassenlehrerin in einer Integrationsklasse einsetzen. Obwohl sie ihren Lebensmittelpunkt in Wien hatte und die öffentliche Anbindung in den oberösterreichischen Ort alles andere als optimal erschien, nahm sie die Stelle an. Sie unterrichtete an einer „kleinklassigen“ Volksschule als Klassenlehrerin. Ein blinder Schüler wurde von ihr integrativ beschult. Claudia stand ein Zusatzlehrer im Ausmaß von zehn Wochenstunden unterstützend zur Seite. Im fünften Schuljahr betreute sie diesen blinden Schüler im Gymnasium in Steyr sowie weitere drei SchülerInnen als mobile Stützlehrerin im Bezirk Steyr Land.

Nach ihrer Rückkehr nach Wien arbeitete sie zwei Jahre lang an einer öffentlichen Volksschule als Begleitlehrerin.

Die nächste Befristung auf ein Jahr erfolgte in einer Integrationsklasse. Dort wurde sie als dritte Lehrkraft eingesetzt, worüber ihre KollegInnen nicht glücklich waren. Diese hatten im Vorhinein keine Information über die Zusammenarbeit mit Claudia erhalten und auch darüber nicht, zukünftig zu dritt in einem Klassenraum zu arbeiten. Claudia erlebte die Situation als unangenehm und angespannt.

2003 wurde sie als Teamlehrerin einer Schule für körperbehinderte SchülerInnen zugeteilt. Auch an dieser Schule hatte sie mit Kindern mit Mehrfachbehinderungen zu tun. Sie blieb fünf Jahre lang.

Unterschiedliche Ansichten der Schulaufsicht

Claudias Zulassung zur Anstellung als Lehrerin beruhte sehr stark auf zwei gegensätzlichen Sichtweisen der Schulaufsicht. Während die affirmative darin bestand, Claudia in einer Integrationsklasse mit einer zweiten Lehrperson arbeiten zu lassen (im Notfall müsse man sich eine Alternative überlegen), war die restriktive davon geprägt, keine Zulassung zu gewähren, da im Falle eines Geschehnisses die Aufsichtspflicht verletzt würde.

Clevere Unterrichtsmethoden und feine Sinne

Claudia weiß, was nötig ist, um Volksschulkinder zu unterrichten. Neben spielerischem und kreativem Lernen setzte sie auch auf standardisierte Testverfahren zur Überprüfung der Kulturtechniken.

Zwei Aussagen von Eltern, die Claudias erfolgreiche Arbeit belegen, lauten folgend:

„Eigentlich ist es keinem mehr so richtig bewusst, dass an der Schule eine blinde Lehrerin arbeitet.“

„Meine Tochter berichtete einmal, dass Frau Rauch die Kinder sofort am Sesselschaukeln und anderen Bewegungen erkannte.“

Claudia glich viel mit ihrem Gehörsinn aus. Beispielsweise hörte sie aufgrund des Lärmpegels, der Gespräche und Laute in der Klasse, was die SchülerInnen vorhatten. Mit pädagogischem Geschick verstand sie es, SchülerInnen mit ihrer Sprache anzuleiten und soziale Werte im Klassenzimmer zu vermitteln. Um mit den Kindern Bücher durchgehen und Texte oder Bilder bearbeiten zu können, übersetzte und katalogisierte sie Unterrichtsmaterialien in Blindenschrift. Sie bereitete sich stets auf den jeweiligen Unterricht vor, indem sie Übungen parat hatte und an Tafel und Vorzeigeobjekten Blindenschrift anbrachte, anhand derer sie wusste, um welche Objekte es sich handelte. Sie musste hoch konzentriert arbeiten, um zu bemerken, ob die Kinder mitarbeiten. Die Kombination der Sinne Hören, Fühlen und Sprechen, ermöglichten einen pädagogisch geführten und qualitativ hochwertigen Unterricht. Wenn es vorkam, dass Claudia SchülerInnen zu Unrecht rügte, entschuldigte sie sich. Korrekturen von Schularbeiten übernahmen KollegInnen. Um zu wissen, ob ihre SchülerInnen die Buchstaben des Alphabets beherrschen, ließ sie sich einzelne auf den Handrücken malen. Ihr Unterricht beinhaltete u.a. körperbetontes, kinästhetisches Arbeiten. Claudia ist sogar imstande, zu hören, ob Buchstaben richtig geschrieben werden! Die Pädagogin kennt aber auch andere Möglichkeiten, um die  Rechtschreibkenntnisse zu überprüfen. Sie ließ einzelne Wörter buchstabieren oder Schulübungen vorlesen. Rechenfertigkeiten prüfte sie ab, indem ihre SchülerInnen „LehrerIn spielen durften“. Claudia legte viel Wert auf die Eigenverantwortung der Kinder und behandelte sie wie „kleine Erwachsene“.

Die Arbeit als Behindertenbeauftragte

Claudias Weg führte letztlich weg von der Berufslaufbahn als Volksschullehrerin. Im Jahr 2007 zeigte das Rektorat der Pädagogischen Hochschule Wien großes Interesse an ihrer Person: Studierende sollten während ihres Studiums von einem/einer LehrerIn mit Behinderung unterrichtet werden. Sie erhielt die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen im Ausmaß von 10 bis 15 Wochenstunden abzuhalten und fungierte zudem als Behindertenbeauftragte, wofür sie vom Rektorat drei Jahre lang bestellt wurde, die anschließenden arbeitete sie unentgeltlich. Sie beriet Studierende mit Behinderung umfassend vor und während ihrer Ausbildung zum/zur LehrerIn. Während sich Studierendenanfragen am Beginn ihrer Arbeit noch in Grenzen hielten – wahrscheinlich bestand Furcht vor Ausschluss vom Studium -  änderte sich dies im Laufe der Zeit. Eine gemachte Erfahrung, die sie mit Behindertenbeauftragten anderer Universitäten teilte, war, dass sich die jüngere Studierendengeneration Probleme ansprechen traut.

„Es wandten sich Studierende mit unterschiedlichsten Behinderungen an mich: von Sinnesbehinderung bis ADHS und chronischen Erkrankungen. Eine wichtige Aufgabe kam mir bei der Adaption der Prüfungsverordnung zu.“

Nach ihrer Zeit an der PH Wien, erhielt sie ein Angebot von der PH Niederösterreich. In ihrer beratenden Funktion geht Claudia auf Probleme ein, die v.a. im Zusammenhang mit der praktischen Ausübung des Berufs stehen. Es stellen sich Fragen, wie Problemlagen in der Praxis – z.B. beim Turn- oder Schwimmunterricht – kompensiert oder a priori ausgeschlossen werden können. Personen, die studieren möchten und von Behinderung/Krankheit betroffen sind, wenden sich oft vor Studienantritt an die Behindertenbeauftragte und fragen nach ihren jeweiligen Möglichkeiten und Chancen der Ausübung des Lehramts.

Claudia vertritt die Ansicht, dass bei der Auswahl von geeigneten LehramtswerberInnen Persönlichkeit und soziale Kompetenz die ausschlaggebendsten Kriterien sind. Wichtig sei aber auch, dass eigene Grenzen erkannt werden können bzw. die Behinderung der Fächerwahl von Lehramtsstudierenden der Sekundarstufe in Einklang steht. So mache es wohl wenig Sinn, wenn gehörlose StudienaspirantInnen, Musik als Zweitfach wählen. Ebenso verhält es sich mit sehbehinderten Personen, die als Zweitfach Turnen unterrichten möchten.

„Von Vorteil ist für die Erkennung geeigneter KandidatInnen, selbst LehrerIn zu sein. Ebenso sollte ein/e Behindertenbeauftragte/r selbst eine Behinderung haben, um gut beraten zu können.“

Einzigartiger Karriereweg

Neben ihrem beruflichen Werdegang absolvierte die Pädagogin vielfach Ausbildungen, trug als Referentin und Expertin in Forschungs- und Erwachsenenbildungseinrichtungen vor, führte Trainings für Unternehmen im lichtleeren Raum durch oder beriet sie hinsichtlich barreirefreiem Webauftritt und Diversitymanagement, war Mitglied der ExpertInnenkommission zur Überarbeitung des Curriculums für die Ausbildung zum/zur Blinden- und SehbehindertenlehrerIn sowie zur Erstellung eines zeitgemäßen Lehrplans für blinde SchülerInnen. Neben Vortragstätigkeiten und der Mitgliedschaft in sämtlichen Vereinen im Kontext der Themen Bildung, Pädagogik, Inklusion und Barrierefreiheit erschienen auch wissenschaftliche Publikationen. Mit April 2014 begann Claudia ihr Doktoratsstudium. Ihr Ehrgeiz und ihr Streben nach Chancengleichheit scheinen ungebrochen zu sein.

Role Model: Eigene Erfolgsdeterminanten

Was führte dazu, dass Claudias Karrierebarometer so stark nach oben zeigt? Wodurch gelang es ihr, tatsächlich Lehrerin zu werden?

Sie wählte keinen einfachen Weg, sondern verfolgte ihren Wunsch, mit Kindern zu arbeiten, äußerst konsequent. Ihr Beruf wurde sehr bald Berufung. Sie verspürte Liebe und Begeisterung in der Arbeit mit Kindern, konnte ihrer Kreativität im vorgegebenen Rahmen freien Lauf lassen und war von ihren eigenen Potentialen überzeugt. Sie lernte an neuen Herausforderungen, entwickelte eigene, kreative Lösungsmöglichkeiten und Strategien in Didaktik und Unterrichtsplanung, nahm alle Beteiligten mit ihren Befindlichkeiten und ihrem Feedback ernst und erkannte eigene Grenzen. Sie sah aber durchaus auch, wo Kompensierungsmöglichkeiten Früchte tragen konnten. Ihre Studienwahl, die Bereitschaft der Direktion, sie an der Pädagogischen Akademie als Studentin aufzunehmen, die Freude Claudias am Forschen und Publizieren, die Entschlossenheit und klare Vorstellung über die spätere Berufstätigkeit und die eigene Bereitschaft, möglichst keine Stellen und Angebote abzulehnen, um dabei eigene Stärken zeigen zu können, trugen dazu bei, dass Claudia dort angelangt ist, wo sie heute ist.

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Mag. Dipl. Päd. Erich Schmid

Erich Schmid ©Wien Work / Bundessache

„Ein großer Wunsch ist, dass nach meiner Pensionierung ein anderer Lehrer mit Behinderung meinen Posten übernimmt.“

Engagierter Routinier und Experte für Blindenhilfsmittel

Erich arbeitet seit 40 Jahren als Lehrer am Bundes-Blindeninstitut (BBI) in Wien. Trotz dieser Zeitspanne ist er nach wie vor begeisterter Pädagoge. Sein großes Interesse für Blindenhilfsmittel, die er auch im Unterricht einsetzen kann, führt dazu, dass er stets den neuesten Stand technischer Weiterentwicklungen kennt. Beim österreichischen Normungsinstitut ist er Experte für elektronische Hilfsmittel und Brailleschrift. Erich ist Mitbegründer der Arbeitsgruppe „IT4blind“ in der Österreichischen Computergesellschaft.

Seit Geburt an blind

Erich kommt bereits im siebten Geburtsmonat zur Welt. Aufgrund dessen hatte sich seine Netzhaut nicht vollends entwickelt, was dazu führte, dass ihm ein Sehvermögen verwehrt blieb.

Fördernde Ausgangsbedingungen: Elternhaus und Unterstützung im Werdegang

Erich erzählt, dass ihn seine Eltern v.a. durch Vorlesen von Texten tatkräftig in seinem Werdegang unterstützten. Heute ist dies unter Zuhilfenahme technischer Hilfsmittel möglich. Dem Pädagogen gefällt nicht, dass jede/r BlindenlehrerIn seinen/ihren eigenen Weg bis zur Anstellung verfolgt. Hingegen sollte es einen „vorgezeichneten Weg“ für jede/n BlindenlehrerIn geben.

Der Pädagoge erzählte, dass er in seiner Ausbildungsphase gute Ausgangsbedingungen hatte. Den Kindergarten besuchte er am Geburtsort in Niederösterreich. Er selbst spricht von einer „Quasiintegration“. Danach ging er abermals – aber nur für kurze Zeit - in den Kindergarten am BBI. Volks- und Hauptschule sowie Polytechnische Schule besuchte er ebenfalls dort. Mit 14 Jahren wechselte er ins Gymnasium. Über seine Schulzeit am Gymnasium berichtet er folgendes:

„Dadurch, dass ich immer einer der Besten war, habe ich die Schulzeit sehr positiv erlebt. Auch der Aufenthalt im Internat war kein Problem, da mir dort wahrscheinlich mehr geboten wurde als zu Hause.“

Während seiner Zeit an BBI und Gymnasium wohnte er jeweils an Internaten. Sein Schulbus fuhr in der Unterstufenzeit direkt vor dem Internat weg. Darin befanden sich SchülerInnen aus derselben Klasse, die ihm Hilfe anboten. Während der Schulzeit standen Erich Personen zur Verfügung, die ihm „heikles“ Material (Mathematik, Fremdsprachen) diktierten. Zu Hause hatte er am Wochenende und in den Ferien Unterstützung, da vor allem sein Vater Lernmaterial, das er dringend benötigte, vorlas, bzw. das Gelesene auf Tonband, später Kassettenrecorder, aufzeichnete.

Entscheidungsfindung

Erich wog ab, welche Berufe für ihn in Frage kommen und folgte einem Ausschlussprinzip. Manche Berufe schieden aufgrund seiner Blindheit aus (z.B. die Berufe Lokomotivführer oder Chemiker).

Jobgarantie und Unterrichtsstunden in Zeiten des LehrerInnenmangels

Eines Tages stattete der Direktor der Blindenschule seiner Familie einen Besuch ab. Zu jener Zeit ging Erich in die siebte Klasse ins Gymnasium. Der Direktor meinte, er könne einen Musiklehrer gebrauchen und gab mit Erichs Eintritt in die Pädagogische Akademie (PÄDAK) quasi eine Anstellungsgarantie ab, auch wenn er später kaum mehr Musik unterrichten sollte.

Erich hatte also keine Mühe, eine Stelle als Lehrer zu bekommen:

Der damalige Direktor des Blindeninstitutes hat praktisch schon zu Beginn meiner Ausbildung eine ‚Jobgarantie‘ abgegeben. Ich habe sogar schon während meiner Ausbildung 1976 vier Stunden unterrichtet. Damals war eine Zeit des Lehrermangels.“

Im Zuge der Ausbildung an der PÄDAK habe Erich durchaus positive Erfahrungen gemacht. Auch die Zeit am Studentenheim habe ihm sehr gut gefallen. Er erhielt bei Bedarf Unterstützung durch Mitstudierende. Seinen Abschluss mit Lehrbefugnis machte Erich in den Fächern Deutsch, Musik und Religion. Später absolvierte er eine Zusatzausbildung in Informatik sowie die Ausbildung zum Blindenlehrer.

Erich berichtet aus seiner pädagogischen Praxis als Musiklehrer, die er als angenehm und als „lustig“ empfand (z.B. wenn er einen „Kreistanz“ im Musikunterricht organisieren musste). Nebenberuflich schloss der Pädagoge ein Germanistikstudium ab, studiert zum Vergnügen Geschichte an der Universität Wien und spielt in seiner Freizeit Schach.

Die Möglichkeit des Unterrichtens während der Ausbildung wurde auch deshalb möglich, da der damalige Seelsorger der Schule, der den Religionsunterricht über hatte, stets zwölf Überstunden machte: Stunden, die nun Erich ausfüllen konnte. Die damalige Situation bezüglich LehrerInnenmangel komme der heutigen sehr nahe, da oft „JunglehrerInnen“, die am Ende ihrer Ausbildungsphase stehen, bereits unterrichten. Sein Rat für InteressentInnen mit Behinderung für den LehrerInnenberuf ist, eine Ausbildung zu beginnen. Wenn es sich dabei um eine blinde Person handelt, die sich ebenso für Blindenhilfsmittel interessiert, freut ihn das umso mehr – schließlich beschäftigt ihn zunehmend die Frage seiner Nachfolge. Am BBI gäbe es momentan lediglich einen weiteren blinden Lehrer. Über die Unterrichtstätigkeit von zwei weiteren blinden LehrerInnen wisse er im Bundesland Tirol.

„Nischenarbeitsplatz“

Erich füllt am BBI eine „Marktnische“ aus, da er Experte für Blindenhilfsmittel ist. Er berät neben seiner Lehrtätigkeit SchülerInnen und LehrerInnen über technische Lehr- und Lernmittel. In höheren Schulstufen unterrichtet er an einer Handelsschule und bereitet Klassen auf den ECDL vor.

Vielfältige Nebentätigkeiten und stark nachgefragte Persönlichkeit

Erich ist neben den Anfangs erwähnten Aktivitäten Mitglied im Unabhängigen Monitoringausschuss sowie Trainer und Ausbildner für blinde Menschen. Er hält Vorträge über Blindenhilfsmittel im In- und Ausland.

Role Model für junge, blinde Menschen

Durch seine Aktivitäten als Lehrer möchte er junge, blinde Menschen ermutigen, auch den Weg in den LehrerInnenberuf zu wagen. Der Pädagoge vertritt die Ansicht, dass durch Lösungsvorschläge und Elternunterstützung für behinderte SchülerInnen vieles möglich sei. Auf seine eigene Arbeit blickend meint er:

„Ich bin überzeugt, dass Kinder, Eltern und KollegInnen meine Arbeit schätzen, weil ich viel fachspezifisches Wissen vermitteln kann. Gerne werden dann als ‚Gegenleistung‘ kleine Hilfestellungen (wie z.B. das Eintragen ins Klassenbuch) durchgeführt. Ich bin sicher, dass ich besonders für blinde SchülerInnen und Erwachsene als Vorbild und ‚role model‘ dienen kann.“

Unterrichtssequenz: Audiobearbeitung im Unterricht mit blinden und sehbehinderten SchülerInnen an einer Spezialschule

Die nachfolgende Beschreibung skizziert eine Unterrichtssequenz und zeigt didaktisches Vorgehen, Interaktion und Voraussetzungen für das Gelingen des Unterrichtsvorhabens auf.

Mit maximal acht SchülerInnen sind die zu unterrichtenden Klassen relativ klein. Nach einer gewissen Zeit kann Erich mühelos die Stimmen aller SchülerInnen und (Hilfs-) PädagogInnen unterscheiden. Die sehbehinderten SchülerInnen sprechen ihn in der Pause oder beim Vorübergehen von sich aus an, wenn sie etwas benötigen oder wissen möchten.

Im Unterricht ist es wichtig, dass Erich jene Person, von der er etwas erfahren oder die er zu einer Handlung motivieren möchte, mit dem Namen anspricht. Da ein Heben der Hand nichts nützt, dürfen ihn die SchülerInnen beim Reden unterbrechen. Die Konversation und gut gestaltete Lehr- und Arbeitsmittel sind für seinen Unterricht maßgebend. Ein Vorzeigen von Arbeitsschritten kann es nicht geben.

Erich möchte seinen SchülerInnen die Nutzung und Handhabe eines Audiobearbeitungsprogramms beibringen. Bevor es tatsächlich zur Auseinandersetzung aller SchülerInnen mit dem Programm kommen kann, bedarf es an Vorbereitungen, Vorkenntnissen und Fähigkeiten bei den TeilnehmerInnen: Befehle müssen über Mauseingabe ausgelöst werden können und zu verwendende Tastaturbefehle bekannt sein. Unter dieser Voraussetzung können blinde Personen das Audiobearbeitungsprogramm bedienen. Erich hat ein Freeware-Programm gewählt, da es auf vielen unterschiedlichen Betriebssystemen funktioniert und es besonders viele Tastenkürzel zum Auslösen von Befehlen anbietet. Grundlage hierfür ist ein Skriptum, das er vor einiger Zeit mit zwei Kollegen erstellt hat. Als weitere Arbeit der Vorbereitung war es notwendig, dass er eine Datei ins Intranet stellt, in der Audiodateien mit Kuhlauten zu hören sind. Vor Beginn des Unterrichts konnte er davon ausgehen, dass jeder/jedem SchülerIn ein eigener Computerarbeitsplatz mit Kopfhörern zur Verfügung steht und dass sowohl das Audiobearbeitungsprogramm, wie auch die blinden- oder sehbehindertenspezifische Software installiert sind. Blinden BenutzerInnen steht eine Braillezeile an ihrem Arbeitsplatz zur Verfügung.

Eine Voraussetzung für das Gelingen der Unterrichtseinheit ist, dass SchülerInnen das Audioprogramm öffnen und eine Audiodatei importieren können. Das erste Teilziel besteht darin, die Stille vor dem ersten Kuhlaut und alle Kuhlaute danach zu entfernen damit vorerst ein Kuhlaut übrig bleibt. Endziel ist eine Audiosequenz mit unterschiedlichen Geräuschen vom Bauernhof herzustellen.

Als Einstiegsmotivation beginnt Erich mit einer Deskription des Projekts, was mehrere Minuten in Anspruch nimmt. Den Einstieg soll ein Kuhlaut machen, wofür eine Audiodatei extrahiert werden muss, damit der Laut später an verschiedenen Stellen der Audiosequenz kopiert werden kann.

Zunächst musste Erich erklären, wie man den Beginn des ersten Kuhlautes findet. Sehbehinderte und sehende Personen erkennen diese Stelle relativ leicht am Monitor, nämlich am Aufsteigen der Soundkurve in der Audiospur des Programms. Blinde SchülerInnen können sich nur durch Abspielen, Stoppen und Rückversetzen des Cursors an den Beginn des ersten Kuhlautes stellen. Von der Cursorposition soll nun alles bis zum Beginn der Audiospur markiert und die Markierung danach gelöscht werden. Dafür gibt es Funktionen, welche mit der Maus ausgelöst werden, aber auch Tastenkombinationen. Für alle SchülerInnen empfiehlt es sich, den Cursor an den Beginn der Audiospur zu stellen und den Beginn der veränderten Sounddatei abzuhören.

Die nächste Aufgabe besteht darin, das Ende des ersten Kuhlautes zu finden. Der Vorgang ähnelt dem Suchen des Beginns des Kuhlautes. Es kann nun bis zum Ende der Sounddatei gelöscht werden. Damit ist der Kuhlaut isoliert. SchülerInnen mit höherem Arbeitstempo können weitere Dateien mit Tierlauten importieren und bearbeiten.

Sollten sich Arbeitsschritte als schwierig herausstellen, kann Erich zumindest für die sehbehinderten Kinder einen PC an den Beamer anschließen und die Arbeitsvorgänge optisch demonstrieren.

Während des Unterrichts bewegt sich der Pädagoge von Arbeitsplatz zu Arbeitsplatz und gibt allenfalls Hilfestellungen.

Der Unterrichtsraum ist für ihn üblicherweise nicht neu, daher findet er sich gut in ihm zurecht. SchülerInnen mit Problemen während der Arbeit sind angehalten, ihn zu rufen.

Aufsichtspflicht erfüllbar

Da Erich in einer Spezialschule unterrichtet, kann die Aufsichtspflicht wegen der geringen Klassengröße relativ einfach wahrgenommen werden. Konzentration ist in jedem Fall geboten. Daher verbringt er den größten Teil des Unterrichts stehend, um durch das Gehör einen besseren Überblick zu haben. Bei Klassen mit vielen SchülerInnen oder bei Veranstaltungen in einem akustisch unübersichtlichen Milieu ist die Hilfe sehender KollegInnen bzw. der Assistenz am Arbeitsplatz notwendig.

Barrieren im schulischen Alltag

Für Erich sind die täglichen Barrieren vorwiegend die Unzugänglichkeit von Informationen:

„Für mich liegen die Barrieren weder im Unterricht selbst noch in der Ausstattung von Schulgebäuden. Die größten Hindernisse liegen auch heute noch darin, dass vieles im Schulbetrieb immer noch auf Papier verteilt wird und ich Zeit und Arbeitskraft brauche, um mir diese Informationen zugänglich zu machen.“

Angekommen

Erichs Ende seiner Berufslaufbahn ist für ihn bereits in Sicht – sein/e NachfolgerIn an seiner Schule hingegen noch nicht.

Sein großes Engagement und Interesse am LehrerInnenberuf, seine Reflexion über eigene Möglichkeiten und Grenzen, das unterstützende familiäre und gesellschaftliche Umfeld während seiner Schul- und Berufslaufbahn trugen dazu bei, dass er fixer Bestandteil im österreichischen Bildungssystem ist und darin tagtäglich einen wertvollen Beitrag liefern darf.

Literaturempfehlung

Schulz, Michael (1996): Ein hochgradig sehbehinderter Lehrer. Gewinn oder Ballast für eine Schule zur Lernförderung? Gedanken und Konzeption nach 25-jähriger Dienstzeit. In: Blind, sehbehindert, 116 (2), 106 - 109

http://www.dvbs-online.de/horus/1995-3-2085.htm

-->Michael Schulz, der sehende SchülerInnen mit Lernschwierigkeiten unterrichtete (er ist mittlerweile in Pension), berichtet von Herausforderungen, Chancen und Gewinn aus seiner 25-jährigen Berufstätigkeit als Lehrender. Er zeigt dabei auf, welche Strategien er anwandte, um selbstständig den Unterricht zu führen und die Aufsichtspflicht zu erfüllen und wo er Unterstützung benötigte. Zudem macht er explizit, welchen Mehrwert die SchülerInnen durch ihren Lehrer erfahren und was sie von ihm lernen konnten.